Inertisierung

Was versteht man unter Inertisierung? – Definition

Inertisierung bezeichnet ein Verfahren zum Explosionsschutz, das mit Hilfe von Inertgas die Bildung eines explosionsfähigen Gemisches verhindert.

Inertisierungsanlagen kommen zum Einsatz, wenn vermieden werden soll, dass

  • Dämpfe in die Atmosphäre austreten (Kontamination) oder
  • Luft in die Anlage eintritt (Oxidation)

Werden Stoffe verarbeitet, deren Dämpfe mit Luftsauerstoff ein leicht entzündliches Gemisch bilden, so ist jegliches Explosionsrisiko zu verhindern. In der Praxis wird die Luft durch ein Inertgas ersetzt.

Was ist ein Inertgas?

Inertgase sind unbrennbare Gase (auch Schutzgase genannt), die nicht mit dem Brennstoff reagieren und keine Verbrennung fördern.

Das Inertgas verdrängt bei der Inertisierung den Luftsauerstoff in der Anlage so weit, dass eine explosive Atmosphäre verhindert wird. In der Regel kommt als Inertgas Stickstoff zum Einsatz.

Das Inertgas wird in den vor der Explosion zu schützenden Raum eingeleitet. Durch das Inertgas verringert sich der Sauerstoffvolumenanteil unterhalb der Sauerstoffgrenzkonzentration (SGK) beziehungsweise der höchstzulässigen Sauerstoffkonzentration (HSK), sodass sich das Gemisch nicht mehr entzünden kann.

Sicherheitsmaßnahmen beim Einsatz von inerten Gasen

Bei der Inertisierung ist die höchste Sauerstoffkonzentration (HSK) zu keiner Zeit zu überschreiten. Geeignete Sicherheitskonzepte gewährleisten das Einhalten der HSK in der zu schützenden Anlage (wie Zentrifuge) bei Normalbetrieb sowie beim An- und Abfahren. Diese Schutzmaßnahmen haben zum Beispiel beim Erreichen einer festgelegten Alarmschwelle zu greifen.

Da in inertsierten Apparaten Erstickungsgefahr besteht, sind geeignete Personenschutz-Maßnahmen zu ergreifen:

  • Sicherheitsmaßnahmen, um eine gesundheitsschädigende Wirkung des Inertgases zu verhindern
  • Vorkehrungen, falls eine Gefährdung außerhalb der Anlage durch Undichtigkeiten und Überdruckbetrieb entsteht.
  • Schutzmaßnahmen für den gesamten Betriebsraum, falls größeren Undichtigkeiten entstehen.

Typische Einsatzgebiete von Inertisierungsanlagen

  • Chemische und pharmazeutische Industrie
  • In der Mineralölindustrie bei Arbeiten mit leicht entzündlichen organischen Lösungsmitteln oder gesundheitsschädlichen flüchtigen Bestandteilen.
  • Zur Vermeidung von Oxidation bei der Verarbeitung von Produkten in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie bei Speiseölen

Quelle:

[1] Heinz Brauer: Handbuch des Umweltschutzes und der Umweltschutztechnik, Band 3
[2] Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie: Ex-Schutz-Wissen: Welche Zoneneinteilung ist bei Inertisierung erforderlich https://www.bgrci.de/exinfode/ex-schutz-wissen/expertenwissen/mess-und-warngeraete/21-welche-zoneneinteilung-ist-bei-inertisierung-erforderlich/

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