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22.07.2026

Mechanische Trenntechnik als Schlüsseltechnologie in der Getränke- und Molkereiindustrie

Den Einsatz von Dekantern und Separatoren neu denken

Steigende Rohstoffpreise, wachsender Kostendruck und verschärfte Nachhaltigkeitsanforderungen stellen die Getränke- und Molkereiindustrie vor grundlegende Herausforderungen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach hochwertigen, proteinreichen Produkten und funktionellen Inhaltsstoffen. In diesem Spannungsfeld gewinnt die mechanische Trenntechnik zunehmend an Bedeutung: Sie ermöglicht es, Stoffströme effizient zu fraktionieren, Nebenprodukte aufzuwerten und Prozesse robuster sowie wirtschaftlicher auszulegen.

 

Technologien wie Dekanterzentrifugen, Tellerseparatoren und Bandpressen sind dabei längst etablierte Werkzeuge. Ihr tatsächliches Potenzial erschließt sich jedoch oft erst, wenn bestehende Prozessgrenzen kritisch hinterfragt und neue verfahrenstechnische Ansätze erprobt werden. Moderne Test- und Entwicklungseinrichtungen – wie etwa das neue Flottweg Prozesscenter – bieten hierfür geeignete Rahmenbedingungen, um neue Anwendungen zu testen, zu validieren und in die industrielle Praxis zu überführen.

 

Grundsätzlich gilt: Wer bereit ist, etablierte Prozesse zu hinterfragen und neue Ansätze zu prüfen, kann die Vorteile mechanischer Trenntechnik gezielt nutzen – insbesondere hinsichtlich Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Produktqualität.

Aufbereitung von Milch: Neue Potenziale in bewährten Verfahren erschließen

3-Phasen Separator zur Trennung von Mozzarellaziehwasser

Zentrifugale Trennverfahren sind seit über 140 Jahren ein fester Bestandteil der Molkereitechnologie. Dennoch zeigen aktuelle Beispiele, dass sich auch in etablierten Anwendungen neue Potenziale erschließen lassen. Zur Entwässerung fermentierter Milchprodukte wie Quark, Joghurt oder Skyr kommen traditionell Membranverfahren oder spezielle Düsenseparatoren zum Einsatz. 

 

Dekanterzentrifugen bieten hier eine interessante Alternative. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der hohen Flexibilität: Unterschiedliche Entwässerungsstufen können gezielt eingestellt werden, wodurch sich Produktionsprozesse besser an wechselnde Anforderungen anpassen lassen. Darüber hinaus ergeben sich wirtschaftliche Vorteile durch vergleichsweise geringere Investitions- und Serviceaufwände sowie durch eine hohe Anlagenverfügbarkeit. Vor dem Hintergrund der weiterhin steigenden Nachfrage nach proteinreichen Milchprodukten eröffnen sich dadurch zusätzliche Spielräume für Anlagenbetreiber.

 

Ein weiteres praxisrelevantes Beispiel ist die Aufbereitung von Mozzarellaziehwasser. Dieser anspruchsvolle Nebenstrom enthält neben Feststoffen auch wertvolle Fettanteile. Durch den Einsatz eines 3‑Phasen-Tellerseparators mit spezieller Trommelkonfiguration lassen sich die enthaltenen Phasen gezielt trennen. Der Einsatz maßgeschneiderter Hochleistungs-Werkstoffen ermöglicht dabei auch den zuverlässigen Betrieb unter herausfordernden Bedingungen. Die zurückgewonnenen Fettanteile können anschließend wieder in den Produktionsprozess integriert werden, wodurch sich die Rohstoffnutzung deutlich verbessert

Pflanzliche Milchalternativen: Wirkungsgrad entlang der gesamten Prozesskette

Typische Installation einer Bandpresse in der Aufbereitung von Lebensmitteln

Im Bereich der pflanzlichen Milchalternativen unterstützt Flottweg seine Kunden seit Jahrzehnten mit Trennlösungen für verschiedenste Anwendungen. Dekanterzentrifugen werden dabei insbesondere zur Abtrennung von Pflanzenfasern aus Rohstoffen wie Soja, Hafer oder Reis eingesetzt. Darüber hinaus bieten sich auch in vorgelagerten Prozessschritten Optimierungsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist die Herstellung von Kokosmilch: Im klassischen Verfahren kommen häufig Schneckenpressen zur Extraktion zum Einsatz. Durch einen angepassten Vermahlungsprozess und den Einsatz speziell ausgelegter Bandpressen lassen sich jedoch höhere Ausbeuten erzielen.

 

In der Praxis sind Ausbeutesteigerungen von etwa 10–15 % möglich. Vor dem Hintergrund steigender Rohstoffpreise und wachsender Nachfrage nach pflanzlichen Produkten stellt dies einen relevanten wirtschaftlichen Faktor dar.

Nebenströme in der Brauindustrie: Vom Reststoff zur Ressource

Biertreber ist mit rund 80 bis 85 % das größte Nebenprodukt der Bierherstellung. Traditionell wird er überwiegend als Viehfutter genutzt. Diese Verwertung ist jedoch stark von regionalen Gegebenheiten abhängig und stößt zunehmend an logistische und wirtschaftliche Grenzen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Hoher Wassergehalt, steigende Transportkosten und wachsender Kostendruck machen alternative Nutzungskonzepte erforderlich.

 

Moderne Dekanterzentrifugen ermöglichen eine effiziente Entwässerung von Biertreber und erreichen dabei Abscheidegrade von bis zu 98 %. Wertvolle Inhaltsstoffe wie Proteine und Ballaststoffe verbleiben gezielt im Feststoff und bilden die Grundlage für eine weitergehende Nutzung, beispielsweise in Proteinkonzentraten, funktionellen Inhaltsstoffen und Lebensmittelanwendungen. So wird aus einem klassischen Nebenprodukt ein wertvoller Rohstoff – und aus Entsorgung Wertschöpfung.

 

Auch die flüssige Phase bietet Einsparpotenziale. Das abgetrennte Prozesswasser kann – abhängig von der Qualität – im Brauprozess wiederverwendet werden, beispielsweise als Prozess- oder Spülwasser. Dies trägt dazu bei, den Frischwasserverbrauch zu reduzieren und die Abwasserbelastung zu senken.

Frucht- und Gemüsesäfte: Gezielte Trennung für anspruchsvolle Produkte

Der Einsatz zentrifugaler Trenntechnik ist auch in der Verarbeitung von Frucht- und Gemüsesäften weit verbreitet. Dennoch bestehen auch hier Optimierungspotenziale, insbesondere hinsichtlich Ausbeute und Produktqualität.

 

Dekanterzentrifugen können beispielsweise:

 

  • Retentate aus Ultrafiltrationsprozessen weiter aufbereiten
  • die Wirtschaftlichkeit bei schwer filtrierbaren Rohstoffen verbessern
  • Abfallströme reduzieren

 

Ein weiterer Ansatz ist die sogenannte Klassierung: In diesem verfahrenstechnisch anspruchsvollen Prozess werden Partikel aufgrund unterschiedlicher Dichte und Größe selektiv getrennt. In der Praxis lässt sich dies beispielsweise bei tropischen Fruchtsäften nutzen, um unerwünschte Partikel („Black Specs“) zu entfernen, während gewünschte Pülpe im Produkt verbleibt. Durch die flexiblen Einstellmöglichkeiten moderner Dekanter lassen sich solche Trennaufgaben gezielt realisieren.

Bedeutung der verfahrenstechnischen Auslegung

Dreiphasen-Trennung des Presswassers aus der Kaffeepresse

Die Auswahl der richtigen Maschine beginnt in der Regel mit einer detaillierten Analyse der Produktströme. Laboruntersuchungen und Versuche liefern die Grundlage, um Trennverhalten, Ausbeute und Produktqualität zu bewerten. Flottweg bietet hierfür umfassende Untersuchungsmöglichkeiten im eigenen Prozessumfeld sowie im neuen Process Center, das ermöglicht, die komplette Prozessketten unter realistischen Bedingungen abzubilden – von ersten Analysen im Labor bis hin zu Versuchen im Technikumsmaßstab. Viele der dargestellten Anwendungen, etwa die Aufbereitung komplexer Nebenströme oder die Optimierung von Ausbeuten, lassen sich in diesem Umfeld im Vorfeld unter praxisnahen Bedingungen evaluieren. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Kunden Potenziale zu identifizieren und die nächsten Schritte fundiert zu definieren.

 

Ein aktuelles Beispiel zeigt die Möglichkeiten dieses Ansatzes:
In der Instantkaffeeherstellung konnte die Präsenz von Kaffeeöl im Presswasser nachgewiesen werden. Durch den Einsatz eines 3‑Phasen-Tricanters ließ sich der Strom fraktionieren und anschließend gezielt weiterverwerten. Dadurch wurde eine deutliche Aufwertung des Nebenstroms erreicht.

Fazit: Potenziale erkennen und gezielt nutzen

Die Beispiele aus Molkerei, Getränke- und pflanzenbasierter Produktion zeigen, dass mechanische Trenntechnik weit mehr ist als ein klassischer Verfahrensschritt. Sie bietet konkrete Ansätze, um:

 

  • Prozesse flexibler zu gestalten
  • Ausbeuten zu steigern
  • Nebenströme wirtschaftlich zu nutzen
  • Ressourcen effizienter einzusetzen

 

Entscheidend ist dabei die Kombination aus technologischer Kompetenz und anwendungsnaher Prozessentwicklung. Wer bestehende Verfahren hinterfragt und neue Ansätze prüft, kann zusätzliche Potenziale erschließen und seine Produktion langfristig wettbewerbsfähig aufstellen.

Autor

Andreas Metzenauer ist Vertriebsleiter Getränke und Milch bei Flottweg. Mit seiner langjährigen Erfahrung in Trenntechnik unterstützt er Kunden weltweit bei der Entwicklung und Optimierung von Prozesslösungen für die Getränke- und Molkereiindustrie, wobei der Schwerpunkt auf Effizienz, Produktqualität und nachhaltiger Ressourcennutzung liegt.