23.06.2026
Praxisnah entwickeln: Wie das Prozesszentrum Kundenprojekte vorantreibt

Kunden können ihre Prozesse unter realen Bedingungen überprüfen und Investitionsentscheidungen auf der Grundlage zuverlässiger Daten treffen.Stefan Bichlmeier Stefan Bichlmeier, Leiter der Prozesstechnik bei Flottweg und eine der treibenden Kräfte hinter der Entwicklung des Process Centers.
Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Process Centers hat Flottweg am Standort Vilsbiburg einen wichtigen Meilenstein erreicht. Auf rund 2.000 Quadratmetern vereint das Technologiezentrum Labor, Technikum und moderne Arbeitsplätze– mit dem Ziel, Kundenanwendungen praxisnah zu testen und weiterzuentwickeln.
Im Interview spricht Stefan Bichlmeier, Leiter der Verfahrenstechnik, über die Bedeutung des neuen Centers, erste Erfahrungen aus der Praxis und den Mehrwert für Kunden.
Herr Bichlmeier, das Process Center ist nun offiziell in Betrieb. Welches Fazit ziehen Sie nach den ersten Projekten im neuen Process Center?
Die ersten Projekte zeigen bereits, dass wir deutlich flexibler und effizienter arbeiten können. Das Process Center ist darauf ausgelegt, die Brücke zwischen Labor und industrieller Anwendung zu schließen.
Wir können komplette Prozessketten unter realistischen Bedingungen abbilden – von ersten Analysen im Labor bis hin zu Versuchen im Technikumsmaßstab. Entscheidend ist dabei die Kombination aus moderner Anlagentechnik, flexiblen Versuchsaufbauten und kurzen Abstimmungswegen. So lassen sich Ergebnisse schneller auswerten und Prozesse gezielt weiterentwickeln.
Was macht das Process Center einzigartig – und welchen konkreten Mehrwert bietet es Ihren Kunden?
Das Besondere am Process Center ist die Kombination aus technischer Ausstattung und hoher Flexibilität in der Versuchsdurchführung. Kunden können ihre Anwendungen mit eigenen Materialien unter realistischen Bedingungen testen und gemeinsam mit uns weiterentwickeln.
Wir sind in der Lage, sowohl komplette Prozessketten abzubilden als auch einzelne Prozessschritte gezielt zu analysieren und zu optimieren. Dadurch entsteht ein sehr genaues Verständnis der jeweiligen Anwendung.
Ein weiterer Vorteil ist die hohe Flexibilität im Betrieb: Wir können mehrere Versuche parallel durchführen und aufgrund der umfangreichen Maschinen- und Anlagenausstattung schnell auf unterschiedliche Anforderungen reagieren. Zudem können viele Versuche zentral bei uns am Standort umgesetzt werden, was den organisatorischen Aufwand reduziert und beidseitig Ressourcen spart.
Der weiße Bereich der ProzesszentrenWas hat sich im Vergleich zur bisherigen Arbeitsweise konkret verbessert?
Ein wesentlicher Unterschied ist die deutlich engere Abstimmung zwischen den einzelnen Bereichen. Proben können unmittelbar analysiert und Ergebnisse direkt in den laufenden Versuch zurückgeführt werden. Zudem ermöglichen uns die erweiterten Kapazitäten und die moderne Ausstattung, Prozesse nicht nur zu testen, sondern systematisch weiterzuentwickeln – inklusive der Erfassung von Verbrauchsdaten und Prozessparametern. Das bringt uns deutlich näher an die realen Bedingungen beim Kunden und erhöht die Aussagekraft der Ergebnisse.
Der TecDay bot erste Einblicke in das Process Center. Welche Rolle spielte die Veranstaltung für Sie?
Der TecDay war für uns eine wichtige Plattform, um das Process Center erstmals in Betrieb zu zeigen. Die Teilnehmer konnten Einblicke erhalten, wie wir arbeiten und und welche Möglichkeiten sich nun ergeben – von Laboranalysen bis hin zu großtechnischen Versuchen. Gleichzeitig hat die Veranstaltung gezeigt, wie groß das Interesse an praxisnahen Lösungen und anwendungsorientierter Entwicklung ist. Der Austausch mit Kunden, Partnern und Experten vor Ort war für uns sehr wertvoll.
Wie läuft ein typisches Kundenprojekt im Process Center heute ab?
Ein Projekt beginnt in der Regel mit einer konkreten Fragestellung des Kunden. Gemeinsam definieren wir darauf aufbauend einen Versuchsplan.
Der Ablauf gliedert sich typischerweise in sechs Schritte:
- Definition der Zielstellungen
- Analyse eines Produktmusters im Labor
- Gemeinsame Bewertung der Ergebnisse
- Versuche im Technikum unter praxisnahen Bedingungen
- Auswertungen und Berichterstellung
Ableitung konkreter Empfehlungen für Prozess- und Maschinenauslegung
Die enge Zusammenarbeit aller Bereiche ermöglicht es uns, sehr schnell zu belastbaren Ergebnissen zu kommen. Gerne dürfen unsere Kunden die Versuche sowohl im Labor als auch im Technikum bei uns vor Ort begleiten. Der direkte Austausch und die gemeinsame Bewertung von Zwischenresultaten ermöglicht es uns sehr schnell auf die Kundenwünsche einzugehen und entsprechend zu reagieren.
Können Sie ein konkretes Anwendungsbeispiel nennen?
Ein wachsender Schwerpunkt liegt im Bereich der alternativen Proteine, insbesondere bei pflanzlichen Anwendungen. Hier sehen wir eine starke Nachfrage nach effizienten Trennprozessen und skalierbaren Lösungen. Kunden stellen uns beispielsweise Rohstoffe wie Mehle zur Verfügung. Im Process Center bilden wir den gesamten Prozess oder einzelne Schritte ab – von der Extraktion bis zur Trennung. Bei Bedarf können auch Aggregate für die Down- und Upstreamprozesse in den Versuchsaufbau mit eingebunden werden.
Am Ende entstehen reale Produktmuster, die weiterverarbeitet oder analysiert werden können. Das verkürzt Entwicklungszeiten deutlich, erhöht die Planungssicherheit und ermöglicht es Kunden, neue Anwendungen schneller in die Praxis zu überführen.
Wie wirkt sich das Process Center konkret auf Entwicklungszeiten und Investitionsentscheidungen Ihrer Kunden aus?
Das Process Center bietet vor allem Vorteile in Bezug auf Geschwindigkeit, Sicherheit und Effizienz in der Projektentwicklung. Kunden können ihre Prozesse frühzeitig unter realistischen Bedingungen testen und validieren, wodurch sich Entwicklungszeiten deutlich verkürzen. Gleichzeitig schaffen die gewonnenen Daten eine belastbare Grundlage für Investitionsentscheidungen. Prozesse können im Vorfeld detailliert analysiert und optimiert werden, wodurch Risiken reduziert und die Planungssicherheit erhöht wird.
Versuche bei unseren Kunden vor Ort werden in vielen Anwendungen auch weiterhin eine große Bedeutung haben. Wo aber möglich können durch die Versuchsdurchführung am Standort Vilsbiburg Aufwände für den Maschinentransport, die Anlagenaufstellung in der Kundenanlage als auch für Reisen eingespart werden.
In Summe bedeutet das für unsere Kunden: schnellere Ergebnisse, fundiertere Entscheidungen und eine effizientere Umsetzung ihrer Projekte.
Welche Bedeutung hat das Process Center für die zukünftige Entwicklung von Flottweg?
Das Process Center ist ein zentraler Baustein unserer strategischen Ausrichtung. Wir entwickeln uns zunehmend vom Maschinenhersteller zum ganzheitlichen Prozesspartner. Das bedeutet eine noch engere Zusammenarbeit mit unseren Kunden, intensivere Entwicklungsarbeit und eine stärker integrierte Beratung.
Unser Ziel ist es, nicht nur Technologie bereitzustellen, sondern gemeinsam mit unseren Kunden komplette und auf den jeweiligen Anwendungsfall optimierte Prozesslösungen anzubieten.
